Das Kotti-Prinzip – urbane Komplizenschaften zwischen Raum, Mensch, Zeit, Wissen und Dingen
Wem gehört die Stadt? Wer muss gehen – wer darf bleiben? Wer entscheidet darüber? Und was braucht es hierzu? Derzeit schließen sich vermehrt Teile der Zivilgesellschaft zusammen, um Antworten auf diese Fragen einzufordern. So haben sich in Berlin seit 2011 Mieter des sozialen Wohnungsbaus weit über ihren Wohnort und sozialen Status hinaus als Mieterinitiative Kotti&Co vernetzt. Dabei verschaffen sie sich lautstark Gehör im wohnungspolitischen Diskurs der Stadt: „Wir sind Kreuzberg. Wir wollen bleiben!“
Anhand von axonometrischen Zeichnungen beschreiben Christine Bock und Ulrich Pappenberger die kooperative und aktionsbasierte Strategie der Initiative als Modell eines netzwerkbasierten „Einmischens von unten“ in stadtpolitische Prozesse. Das einflussreiche Netzwerk stellen sie in seinen Bestandteilen und Methoden nachvollziehbar dar. Im Laufe der Forschung entwickelte sich aus einer Arbeit „über“ das Projekt Kotti&Co eine transdisziplinäre Kooperation mit der Initiative. So will das „Kotti-Prinzip“ zum einen zur Diskussion anregen, um mögliche Rollen von Raumpraktikern innerhalb stadtpolitischer Prozesse, die von der Straße ausgehen, zu reflektieren. Und vor allem möchte es eine Anregung bieten sich aktiv zu vernetzen, denn „klein sein heißt unverbunden sein, groß sein heißt verbunden sein“ (Bruno Latour).
Christine Bock & Ulrich Pappenberger
Christine Bock (Hamburg, 1981) und Ulrich Arno Pappenberger (Vaihingen an der Enz, Baden-Württemberg, 1982) leben und arbeiten in Berlin. 2014 absolvierten sie gemeinsam den Master of Science in Urban Design an der TU Berlin. Christine Bock arbeitet kollaborativ an räumlichen Projekten und ist bei raumtaktik – office from a better future tätig. Ulrich Pappenberger entwickelt partizipative Projekte im Bereich Stadtentwicklung bei der IMORDE Projekt– & Kulturberatung GmbH.




